Aktuelles | Misereorprojekt | Schulaktionen | Soliläufe | Solibrot | Kontakt | Startseite
Boxbild
  Druckversion   Seite versenden

Arbeitshilfen

Themenkreis "Brot"

Unser tägliches Brot gib uns heute

Unser Menschsein hängt von einem Bissen Brot ab. Das weiß Jesus. Er erweist sich mit dieser Bitte solidarisch mit den Hungernden, für die das lebensnotwendige Brot Gottes Gegenwart bedeutet. Der Erhalt unseres Lebens ist tagtäglich Gottes Geschenk, das drückt dieser Gebetswunsch deutlich aus.

Jesus lässt uns nur um das Nötige bitten, nicht um den Überfluss, um das für diesen Tag Notwendige (= "tägliches Brot") und nicht um den Vorrat für übermorgen. Er dachte dabei wohl an das biblische Buch der Sprichwörter, in dem es heißt: "Gib mir weder Armut noch Reichtum, nähr mich mit dem Brot, das nötig ist." (Spr 30,8) Dahinter steht also ein tiefes Vertrauen darauf, dass der himmlische Abba für uns sorgt, Tag für Tag und jeden Tag neu.

Wenn wir die Worte "unser" und "uns" ernst nehmen, schließen wir uns bei diesem Gebet mit allen Menschen dieser Erde zusammen. Das Brot, das die Erde hervorbringt, ist nämlich unser aller Brot und reicht - bei gerechter Verteilung - aus für alle Menschen. Dies ist die Überzeugung der einschlägigen Fachleute und bedeutet, dass wir Gott nicht für den Hungertod so vieler Menschen verantwortlich machen dürfen. Die Brotbitte des VU öffnet also unsere Augen und unser Herz für jene, die hungern und verhungern und fordert ein entsprechendes Verhalten heraus.

Wenn wir das griechische Wort "έπιουσιον“(epiousion), das gewöhnlich mit "täglich" (= den Tagesbedarf nötig) übersetzt wird, mit "für den folgenden Tag" (= für morgen) übersetzen, dann heißt dies: "Unser Brot für morgen gib uns heute." Dabei kann einfach an den folgenden Tag, aber auch an das eschatologische Morgen gedacht werden und somit an das "überweltliche, über­natürliche, himmlische Brot" (Hieronymus). Dieses Brot ist für uns Christen Jesus Christus selbst, der im Johannesevangelium "Brot des Lebens" genannt wird (Joh 6,33.35).

Die Brotbitte steht auch in der Tradition der Manna-Spende an das Volk Israel, das in der Wüste hungerte (Ex 16). Das Volk Gottes verlangt nach der, Nahrung, die ihrem Ursprung nach göttlich ist, aber sowohl den Magen als auch das Herz nährt. Jeder darf nur so viel davon sammeln, wie er für den jeweiligen Tag braucht. Er darf nichts bis zum Morgen übriglassen, sonst wird es wurmig und riecht übel. Die Vorsorge Gottes erstreckt sich also nur auf den jeweiligen Tag. Es geht also nicht darum, Vorräte anzulegen, sondern sich jeden Tag neu aus der Hand Gottes mit dem Leben (= Brot) beschenken zu lassen, ein starker Ausdruck des Vertrauens auf Gott.

In der sogenannten "Brotvermehrungsgeschichte", die im NT in sechs Varianten überliefert ist, dürfen wir bei den "fünf Broten und zwei Fischen" (Mk 6,38 par) an die fünf Bücher Mose und den Doppelblock der Prophetenbücher und der übrigen Schriften denken, ein bildhafter Ausdruck also für die Bibel des Judentums. Wenn Jesus die Not der Menschen sieht und ihnen die "fünf Brote und zwei Fische" reicht, dann ist das Nahrung für Leib und Seele, denn der Mensch lebt tatsächlich nicht "vom Brot allein" (Mt 4,4).

Es gilt also, die vielschichtige Symbolik des Begriffes „Brot“ im Zusammenhang mit dieser Vaterunserbitte zu eröffnen, um sie richtig zu verstehen und das Vertrauen auf den himmlischen Vater zu stärken, der Tag für Tag für uns sorgt.

Siener, Günter, Vaterunser ein altes Gebet wird jung, München 2003, S. 44.

Unterrichtselemente

1. Das für diesen Tag Notwendige

Was ist notwendig, was überflüssig? Wichtige Fragen zur Annäherung an den Inhalt unserer Vaterunserbitte.

Überlegt euch, was man:

  • a) zum bloßen Überleben braucht,
  • b) worauf ihr auf keinen Fall verzichten wollt,
  • c) was eigentlich überflüssiger Luxus ist.

Findet zu allen Punkten mehrere Beispiele und schreibt sie auf: EA / PA- KGS -TA.

Was hat Jesus eurer Meinung nach gemeint, als er uns zu beten auftrug: "Unser tägliches Brot gib uns heute"? Übertragt diesen Gebetssatz in eure Sprache und füllt ihn auf mit Beispielen aus dem ersten Schritt: EA, HE -KGS.

L-Information über die Auslegungsvarianten dieser Schriftstelle (heute/morgen). Welche Variante erscheint euch passend, welche weniger? -KGS.

Schreibt die Worte der Brotbitte untereinander. Findet nun zu jedem Wort wenigstens einen erläuternden Satz. Vergleicht die Ergebnisse miteinander: EA- PA- KGS. (Hierbei sollten die Worte „unser " und „uns " besonders bedacht werden.)

2. „Brot“: Was wir zum Leben notwendig brauchen

„Brot" soll als Bildwort deutlich werden.

Wir sammeln Sprichwörter, Redewendungen und Zitate zum Thema "Brot".
Beispiele: Einem den Brotkorb höher hängen. / Sein Brot sauer verdienen. / Bei Wasser und Brot schmachten. / Der Brötchengeber (= Arbeitgeber) / Wes Brot ich ess´ des Lied ich sing. / Wer nie sein Brot mit Tränen aß .../ Des einen Tod, des andern Brot. / Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. / Brot und Spiele / Brot für die Welt (Hilfswerk) / eine brotlose Kunst / ...

Was ist bei den einzelnen Aussagen mit "Brot" gemeint? Sch erarbeiten gemeinsam Umschrei­bungen der Bedeutung von "Brot". Sch tragen diese Umschreibungen in den Wortlaut des Gebets ein und listen auf, für was sie denn da alles bitten (HE / TA / Folie). Die einzelnen Inhalte des zum Leben Notwendigen werden von den Sch auf einzelne Papierstreifen geschrieben.

Auf ein Plakat / eine Tapete wird der Umriss eines großen Brotes gemalt. Die beschrifteten Papierstreifen werden in diesen Umriss geklebt. Die Brotbitte wird als große Überschrift gestaltet.

Was bedeuten die Worte „unser“ und „uns“ in diesem Zusammenhang? Hat das Folgen für uns als Beter?

3. Manna für das hungernde Volk Israel in der Wüste

Die biblische Erzählung – Exodus 16 – wird mit der Brotbitte in Verbindung gebracht und deren verschiedene Bedeutungsschichten erarbeitet. L erzählt die biblische Geschichte von der Speisung mit Manna in der Wüste.  Alle spielen die Geschichte nach: Rollen? (Gott, Mose, Volk, einige, die nicht gehorchen). Das Manna kann durch runde, gelbe Papierscheiben dargestellt werden (Jeder Sch schneidet einige davon aus. Größe festlegen!). „Manna“ heißt wörtlich „Was ist das?". Diese Wortbedeutung soll im Rollenspiel zum Tragen kommen, indem z.B. einige aus dem Volk diese Frage stellen.

Reflexion der Erzählung und des Spiels. Mögliche Fragen und Impulse:

  • Was bedeutet in dieser Erzählung das „tägliche Brot"?
  • Was bedeuten die Aussagen über die Mengen und die Zeitabstände?
  • Welchen Anspruch und welchen Zuspruch des Glaubens enthält die Erzählung?
  • In wie fern lässt sich diese Erzählung auf uns heute übertragen? Was löst sie bei uns aus? Welche Bedeutung kann sie für andere haben?
  • Die Eucharistie wird in der liturgischen Sprache auch „Manna" oder „Brot vom Himmel" genannt. Welche Zusammenhänge erkennt ihr mit der Erzählung vom Manna in der Wüste? (Das Brot von morgen! Das Brot, das nicht nur den Körper; sondern auch die Seele sättigt.)

4. Tischgebet

Eine körperliche Erfahrung mit Brot führt zum Dank für diese kostbare Gabe. (Idee aus: Vopel / Wilde, Glaube und Selbsterfahrung im Vaterunser; S. 104f)

L: Lasst euch von der folgenden Übung einmal überraschen und macht einfach mit. Sie wird euch sicher gefallen. Schließt die Augen und öffnet sie erst, wenn ich es sage. Formt eure Hände zur Schale. L legt jedem Sch ein Stückchen Brot mit Kruste in die Hände. Betastet und riecht, was ihr da in Händen habt. Macht aber weiter noch nichts damit. Esst das Brot ganz langsam. Kaut so lange, bis es in eurem Mund flüssig geworden ist. (Die Augen sind noch geschlossen!) Spürt und schmeckt.  Öffnet die Augen und schreibt auf, was ihr erfahren habt. (Höchstens sieben Sätze. Kann auch in Gedichtform sein. Zeitbegrenzung: Bis zu sieben Minuten.) Austausch der Ergebnisse in PA / GA und dann im Plenum.

Gestaltet in EA / PA ein „Tischgebet". Benützt hierzu eure Aufzeichnungen und die Inhalte der Gespräche. Vortrag (freiwillig!) mehrerer Gebete. Kennt ihr formulierte Tischgebete? Sch- Beiträge.

L zeigt einen Gebetswürfel und erklärt seine Funktion. Oder: Ein Gebetbuch geht rund und Tischgebete werden daraus vorgelesen (z.B. Gotteslob Nr. 16). Sch basteln einen Gebetswürfel aus Karton (L bietet den Grundriss als Vorlage an) und beschriften ihn mit sechs Tischgebeten, darunter ist auch die Vaterunserbitte.

Ein Tischgebet

Vater, wir leben von deinen Gaben.
Segne das Haus, segne das Brot.
Gib uns die Kraft, von dem, was wir haben,
denen zu geben in Hunger und Not.
Gotteslob 16, 7

Weiteres Material:

  • Danke, Erzählung von Patricia und Victor Smeltzer. Erzählbuch zum Glauben 3, S.209f.
  • Die Ehrfurcht vor dem Brot wird deutlich in der Erzählung "Die tiefe Verbeugung des Herrn Kulubu aus Afrika" von Josef Quadflieg im: Erzählbuch zum Glauben 3, S.234ff.
  • Siener, Günter, Vaterunser ein altes Gebet wird jung, München 2003, S. 45-47.