Solitag im Unterricht
Kinder brauchen Rechte!
Carlos erzählt von seinem Leben in Sao Luis / Brasilien
(erarbeitet von Martina Keller, Gemeindereferentin in Nürnberg-Ziegelstein)
„Bom dia! Hallo! Bevor ich euch von meinem Leben in Brasilien erzähle, stelle ich mich erst mal vor. Ich heiße Carlos – und das neben mir ist Juanita. Wir sind 12 Jahre alt. Wir leben in Sao Luis, einer Stadt im Nordosten von Brasilien. Der Bundesstaat Maranhao, in dem Sao Luis liegt, ist der ärmste Teil von Brasilien.
Ich lebte lange Zeit auf der Straße. Bevor ich von meiner Familie weglief, wohnte ich mit meinen Eltern und fünf Geschwistern in einer kleinen Wellblechhütte. Mein Vater war arbeitslos, meine Mutter machte kleine Näharbeiten. Wir Kinder gingen auf die Straße, um Müll zu sammeln und das Plastik oder andere Reste weiterzuverkaufen. Im Abfall der Reicheren suchten wir nach Essen. An Schule war überhaupt nicht zu denken. Mein Vater trank Alkohol und schlug mich und meine Geschwister. Da bin ich eines Tages abgehauen. Ich schlief unter Brücken und versuchte ein bisschen Geld zu verdienen. Irgendwann kamen auch Diebstähle dazu. Auf der Straße lernte ich Juanita kennen. Sie kann euch selbst erzählen, was sie durchgemacht hat.“
à Impuls: Was Juanita wohl passiert war?
„Ich musste für meine Familie auch Geld verdienen, damit wir überhaupt überleben konnten. So arbeitete ich als Angestellte in einem Haushalt – von früh morgens bis spät in die Nacht. Ich kochte, musste auf die Kinder aufpassen, putzte, ... Die Hausherrin schlug mich oft. Ich bekam nur wenig Geld für meine Arbeit, manchmal gaben sie mir gar nichts. Ab und zu wäre ich am liebsten weggelaufen. Aber meine Familie brauchte das Geld – und war es noch so wenig. Das Schlimmste war aber der Hausherr. Wenn ich allein war, kam er immer ganz nah an mich heran und berührte mich. Er zwang mich, ihn zu küssen. Mehr will ich euch gar nicht erzählen. Ich hatte große Angst. Er drohte mir, dass er mich umbringen würde, wenn ich jemandem etwas sagen würde. So fand mich eines Tages Carlos heulend auf der Straße.“
„Zum Glück änderte sich Juanitas und mein Leben eines Abends.“
à Impuls: Du hast sicher eine Idee, was passiert sein könnte.
„Wir trafen Pedro und Manuela. Sie arbeiten für das Zentrum zur Verteidigung von Kinderrechten in Sao Luis. Sie setzten sich zu uns und fingen an, sich mit uns zu unterhalten. Wir waren erst vorsichtig. Wer weiß, was die von uns wollen, dachten wir. Doch es blieb nicht bei der einen Begegnung. Sie schauten immer wieder bei meinem Schlafplatz unter der Brücke vorbei. Sie hatten ein offenes Ohr für uns und erzählten auch von ihrer Arbeit.
„Wir setzen uns für die Rechte von Kindern und Jugendlichen ein.“, erklärten sie uns. „Wir sprechen Politiker und Polizisten auf Gewalttaten an, die gegen Kinder verübt werden. Und wir sind gegen die Ausbeutung und den Missbrauch von Mädchen und Jungen. Wir machen die Leute auf eure Probleme und eure Lage aufmerksam. Wir geben euch eine Stimme. Die Erwachsenen sollen nicht wegsehen. Sie sollen begreifen, dass es so nicht geht. Eigentlich müssten wir noch viel mehr Kindern und Jugendlichen in Sao Luis helfen. Aber unsere Organisation hat zu wenig Geld. Wir können keine neuen Mitarbeiter einstellen. Trotzdem – wir versuchen so gut es geht für möglichst viele von euch da zu sein.“
à Impuls: Wie haben die beiden Erwachsenen Carlos und Juanita wohl geholfen?
„Pedro und Manuela waren sogar bei mir Zuhause. Sie haben mit meinem Vater gesprochen; haben meinen Eltern Tipps für die Erziehung von uns Kindern gegeben. Mein Vater hat durch sie einen neuen Job gefunden. Irgendwann bin ich wieder in die Wellblechhütte zurückgegangen. Es ist jetzt besser daheim. Mein Vater trinkt nicht mehr so viel und er schlägt mich nicht mehr. Juanita kann euch auch berichten, wie sie ihr geholfen haben.“
„Ich hätte alleine nicht gewusst, was ich tun soll. Pedro und Manuela sind mit mir zur Polizei gegangen. Wir haben meinen Hausherrn angezeigt. Er wurde verurteilt für das, was er mir angetan hat. Ohne Pedro und Manuela wäre ich der Polizei egal gewesen. Um Jugendliche wie mich kümmern die sich doch nicht. Jedenfalls habe ich durch Manuela auch eine neue Arbeitsstelle gefunden. Ich muss zwar immer noch ganz schön hart arbeiten, aber ich bekomme regelmäßig meinen Lohn und werde nicht geschlagen.“
„Zum Glück gibt es in Sao Luis das Zentrum für Kinderrechte und Menschen wie Pedro und Manuela, die sich für uns Kinder und Jugendliche einsetzen. Und wir finden es super, dass ihr euch auch für uns Kinder hier in Brasilien interessiert.“
Anregungen und Impulse für die Vertiefung der Geschichte:
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Beschreibe das Leben von Carlos und Juanita.
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Male Bilder zum Leben der beiden Jugendlichen.
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Zeichne zwei Spalten. Schreibe in die linke Spalte, wie das Leben von Carlos und Juanita vor ihrer Begegnung mit Pedro und Manuela ablief. Schreibe in die rechte Spalte, wie ihr Leben heute aussieht.
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Schreibe die Geschichte weiter: Wie wäre das Leben von Carlos und Juanita weitergegangen, wenn sie Pedro und Manuela nicht getroffen hätten?
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Überlege: Was können wir hier in Deutschland für Kinder wie Carlos und Juanita in Sao Luis tun?
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Schreibe einen Brief an Carlos und Juanita.
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Nimm die Geschichte zusammen mit deinen Klassenkameraden mit verteilten Rollen auf eine Kassette auf.
Kinder brauchen Rechte!
Carlos erzählt von seinem Leben in Sao Luis / Brasilien
(erarbeitet von Martina Keller, Gemeindereferentin in Nürnberg-Ziegelstein)
„Bom dia! Hallo! Bevor ich euch von meinem Leben in Brasilien erzähle, stelle ich mich erst mal vor. Ich heiße Carlos – und das neben mir ist Juanita. Wir sind 12 Jahre alt. Wir leben in Sao Luis, einer Stadt im Nordosten von Brasilien. Der Bundesstaat Maranhao, in dem Sao Luis liegt, ist der ärmste Teil von Brasilien.
Ich lebte lange Zeit auf der Straße. Bevor ich von meiner Familie weglief, wohnte ich mit meinen Eltern und fünf Geschwistern in einer kleinen Wellblechhütte. Mein Vater war arbeitslos, meine Mutter machte kleine Näharbeiten. Wir Kinder gingen auf die Straße, um Müll zu sammeln und das Plastik oder andere Reste weiterzuverkaufen. Im Abfall der Reicheren suchten wir nach Essen. An Schule war überhaupt nicht zu denken. Mein Vater trank Alkohol und schlug mich und meine Geschwister. Da bin ich eines Tages abgehauen. Ich schlief unter Brücken und versuchte ein bisschen Geld zu verdienen. Irgendwann kamen auch Diebstähle dazu. Auf der Straße lernte ich Juanita kennen. Sie kann euch selbst erzählen, was sie durchgemacht hat.“
„Ich musste für meine Familie auch Geld verdienen, damit wir überhaupt überleben konnten. So arbeitete ich als Angestellte in einem Haushalt – von früh morgens bis spät in die Nacht. Ich kochte, musste auf die Kinder aufpassen, putzte, ... Die Hausherrin schlug mich oft. Ich bekam nur wenig Geld für meine Arbeit, manchmal gaben sie mir gar nichts. Ab und zu wäre ich am liebsten weggelaufen. Aber meine Familie brauchte das Geld – und war es noch so wenig. Das Schlimmste war aber der Hausherr. Wenn ich allein war, kam er immer ganz nah an mich heran und berührte mich. Er zwang mich, ihn zu küssen. Mehr will ich euch gar nicht erzählen. Ich hatte große Angst. Er drohte mir, dass er mich umbringen würde, wenn ich jemandem etwas sagen würde. So fand mich eines Tages Carlos heulend auf der Straße.“
„Zum Glück änderte sich Juanitas und mein Leben eines Abends.
Wir trafen Pedro und Manuela. Sie arbeiten für das Zentrum zur Verteidigung von Kinderrechten in Sao Luis. Sie setzten sich zu uns und fingen an, sich mit uns zu unterhalten. Wir waren erst vorsichtig. Wer weiß, was die von uns wollen, dachten wir. Doch es blieb nicht bei der einen Begegnung. Sie schauten immer wieder bei meinem Schlafplatz unter der Brücke vorbei. Sie hatten ein offenes Ohr für uns und erzählten auch von ihrer Arbeit.
„Wir setzen uns für die Rechte von Kindern und Jugendlichen ein.“, erklärten sie uns. „Wir sprechen Politiker und Polizisten auf Gewalttaten an, die gegen Kinder verübt werden. Und wir sind gegen die Ausbeutung und den Missbrauch von Mädchen und Jungen. Wir machen die Leute auf eure Probleme und eure Lage aufmerksam. Wir geben euch eine Stimme. Die Erwachsenen sollen nicht wegsehen. Sie sollen begreifen, dass es so nicht geht. Eigentlich müssten wir noch viel mehr Kindern und Jugendlichen in Sao Luis helfen. Aber unsere Organisation hat zu wenig Geld. Wir können keine neuen Mitarbeiter einstellen. Trotzdem – wir versuchen so gut es geht für möglichst viele von euch da zu sein.“
„Pedro und Manuela waren sogar bei mir Zuhause. Sie haben mit meinem Vater gesprochen; haben meinen Eltern Tipps für die Erziehung von uns Kindern gegeben. Mein Vater hat durch sie einen neuen Job gefunden. Irgendwann bin ich wieder in die Wellblechhütte zurückgegangen. Es ist jetzt besser daheim. Mein Vater trinkt nicht mehr so viel und er schlägt mich nicht mehr. Juanita kann euch auch berichten, wie sie ihr geholfen haben.“
„Ich hätte alleine nicht gewusst, was ich tun soll. Pedro und Manuela sind mit mir zur Polizei gegangen. Wir haben meinen Hausherrn angezeigt. Er wurde verurteilt für das, was er mir angetan hat. Ohne Pedro und Manuela wäre ich der Polizei egal gewesen. Um Jugendliche wie mich kümmern die sich doch nicht. Jedenfalls habe ich durch Manuela auch eine neue Arbeitsstelle gefunden. Ich muss zwar immer noch ganz schön hart arbeiten, aber ich bekomme regelmäßig meinen Lohn und werde nicht geschlagen.“
„Zum Glück gibt es in Sao Luis das Zentrum für Kinderrechte und Menschen wie Pedro und Manuela, die sich für uns Kinder und Jugendliche einsetzen. Und wir finden es super, dass ihr euch auch für uns Kinder hier in Brasilien interessiert.“ |